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Mein Weg von der Mathematik zur Kunst - Vom Leistungsdruck zur inneren Ruhe

nadineohl9
29. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Sept.

Für mich war das Malen schon als Kind ein Ort, an dem ich einfach ich selbst sein konnte. In meinen Bildern fand ich etwas, das ich im menschlichen Umfeld nicht immer fand: Sicherheit, Geborgenheit und den Raum, meine Seele sprechen zu lassen. Sie gaben mir damals einen tiefen emotionalen Halt.


Nach der Schule entschied ich mich jedoch für einen anderen Weg: das Mathematikstudium. Und so wurde es nach 2012 und 2014 still um meine Farben. Ich priorisierte das Lernen und die Arbeit, wodurch das analytische Denken mehr Raum einnahm als das kreative, intuitive Fühlen. Ich machte kaum noch Pausen und gönnte meinen wichtigen Kraftquellen – dem Malen, dem Reiten und der Natur – nur wenig Zeit.



Während und zwischen der Mathematikvorlesungen entstand dieses Bild aus vielen einzelnen Fineliner-Punkten.
Während und zwischen der Mathematikvorlesungen entstand dieses Bild aus vielen einzelnen Fineliner-Punkten.

2019 überredete ich zwei Arbeitskolleginnen, mit mir zu einer geführten ArtNight zu gehen. Dort entdeckte ich die Kraft des Malens augenblicklich wieder: Ich konnte alles um mich herum vorbeiziehen lassen und kam in eine tiefe innere Ruhe – dieser Zustand war wahrer Seelenbalsam. Ein paar Monate später verabredeten wir uns bei mir zu Hause zum Malen. In nur anderthalb Tagen entstand dort auf Leinwand mein ganz persönliches Seelenbild: ein Elefant. Ich wollte überhaupt nicht mehr aufhören. Und das Schönste daran ist, dass mich dieses Krafttier seither durch mein Leben begleitet und mir bis heute immer wieder ein tiefes Gefühl von Vertrauen und Ruhe schenkt.



Mein Seelenbild und ich bei meiner ersten Einzelausstellung "Frühlingserwachen" in der Kulturmühle Lyss, 2024
Mein Seelenbild und ich bei meiner ersten Einzelausstellung "Frühlingserwachen" in der Kulturmühle Lyss, 2024

Die Coronapandemie gab mir schliesslich den Raum und die Zeit, weitere Bilder zu malen und immer mehr zu mir selbst zu finden. Langsam konnte ich mich von dem ständigen Druck lösen, mich beweisen, etwas leisten oder „genug sein“ zu müssen. Das Malen setzte eine ungeahnte Energie frei und führte mich auf weitere heilsame Wege: 2020 verbrachte ich einen Kurzurlaub auf einem Pferdegestüt im Allgäu. Eigentlich wollte ich nur reiten, doch dort lernte ich Reini kennen, der mir die pferdegestützte Arbeit näherbrachte. Zum ersten Mal lernte ich, richtig zu atmen und spürte, wie mein innerer Raum überhaupt aussieht. Am tiefsten prägte mich jedoch ein einziger Satz von ihm: „Nadine, du bist ein Niemand. Wenn du jetzt nichts änderst, bist du für immer tot.“


Danach änderte sich tatsächlich einiges – nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt innerhalb eines Jahres. Ende 2020 meldete ich mich für eine Ausbildung zum pferdegestützten Coach in der Schweiz an, ohne zu wissen, wohin mich dieser Weg führen würde. Es war mein persönlicher Befreiungsschlag von meiner Arbeit im Konzern, die bis dahin vor allem von Überstunden, Leistungs- und Zeitdruck geprägt gewesen war.


2021 wurde schließlich zum Jahr der radikalen Veränderung: Ich absolvierte die Coaching-Ausbildung, kündigte meinen Job in Deutschland, verkaufte meine ersten (Seelen-)Bilder, kündigte meine Wohnung, entschied mich für die Auswanderung in die Schweiz und liess mich von diesem Moment an mehr vom Leben als vom Verstand führen.


Letztlich landete ich in der Schweiz bei Sonja, die ebenfalls die Ausbildung zum pferdegestützten Coach gemacht hatte. Sie stellte mich als ihre Assistentin im betreuten Wohnen an und ich konnte zwischen Pferden, Kühen, Katzen und Hund ein neues Zuhause finden.
Letztlich landete ich in der Schweiz bei Sonja, die ebenfalls die Ausbildung zum pferdegestützten Coach gemacht hatte. Sie stellte mich als ihre Assistentin im betreuten Wohnen an und ich konnte zwischen Pferden, Kühen, Katzen und Hund ein neues Zuhause finden.

2022 absolvierte ich eine Ausbildung zur Malbegleiterin mit Elementen aus dem intuitiven und kunsttherapeutischen Malen. Diese Erfahrung brachte mich nicht nur mir selbst, sondern auch meinem eigenen kreativen Ausdruck noch ein Stück näher. Ermutigt durch diesen Prozess ging ich mit meinen Werken erstmals an die Öffentlichkeit: Ich präsentierte meine Kunst auf Märkten und buchte einen Stand bei einer Gruppenausstellung in Zürich.


"Der Ort meiner Kreativität" - eine Übung aus meiner Ausbildung zur Malbegleiterin
"Der Ort meiner Kreativität" - eine Übung aus meiner Ausbildung zur Malbegleiterin

Jedes einzelne Kunstwerk der Jahre 2022 und 2023 begleitete mich und gab mir ein Stück meiner Lebensenergie zurück. Im März 2024 folgte ein riesiger Meilenstein: Meine erste Einzelausstellung, mit der ich genau diesen Weg – vom Burnout zurück ins Leben – sichtbar machen konnte. Es kostete mich Mut und machte mir im Vorfeld Angst, so viel Raum für mich und meine Geschichte einzunehmen, aber es lohnte sich von ganzem Herzen. Ich war zutiefst überwältigt von den vielen Besucher:innen, den berührenden Rückmeldungen und natürlich von den Kunstkäufen. Viele meiner Bilder haben ein neues Zuhause gefunden und ich zehre bis heute von diesem unbeschreiblichen Glücksgefühl.



Eye-level view of a colorful abstract painting
Eindrücke aus meiner Einzelausstellung "Frühlingserwachen" in Lyss, 2024

Der letzte Ausstellungsraum in der Kulturmühle Lyss, 2024
Der letzte Ausstellungsraum in der Kulturmühle Lyss, 2024
Gästebucheinträge zu meiner Ausstellung "Frühlingserwachen" in der Kulturmühle Lyss, 2024
Gästebucheinträge zu meiner Ausstellung "Frühlingserwachen" in der Kulturmühle Lyss, 2024

 
 
 

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